Bei Jessica werde ich schwach

Einen J.R. Ward Roman zu lesen ist mittlerweile für mich zu einem wahren Genuss geworden.

Die Lebendigkeit und Umgang mit der Sprache, den Szenen und Figuren lässt mich lesetechnisch nach Hause einkehren. Manchmal hab ich schon das Gefühl, ich kenne das Anwesen der Black Dagger Bruderschaft in und auswendig und fühle mich dort einfach heimisch.

J.R. Ward alias Jessica Bird hat auch einiges an Inhalt zugelegt. Waren die ersten Black Dagger Romane in der deutschen Übersetzung noch so um die 300 Seiten stark, sind wir mittlerweile bei 450 Seiten pro deutschen Splitband angelangt. Der Heyne Verlag geht hierbei weiterhin dazu über, die amerikanischen Originale in zwei deutschen Bänden zu veröffentlichen. Eine Praxis von der man Gott sei Dank in der Spin-off Serie „Fallen Angels“ abgesehen hat.

Ich hatte also das Vergnügen noch kurz vor Jahresende den 7. Roman (deutsch: Band 13 und 14) der Black-Dagger Serie zu lesen. „Racheengel“ und „Blinder König“ erzählen die Vampirgeschichte nahtlos weiter. Es ist von Vorteil die Kurzgeschichte „Vater, mein Vater“ zu kennen, da zumindest zweimal auf deren Inhalt Bezug genommen wird. Und wer sich für Fallen Angels interessiert, sollte sich auch bis Black Dagger 13/14 vorwagen, da in diesen Romanen die Charaktere Trez und Marie-Therese sowie der Nachtschuppen Iron Mask näher beleuchtet, bzw. erstmalig vorgestellt werden.

Die Handlung hat mittlerweile an Komplexität gewonnen, derer Frau Ward allerdings noch immer Herrin ist. Vier große Handlungsbögen mit jeweils (bis auf eine Ausnahme) zwei Erzählperspektiven mischt J.R. Ward zu einem gekonnten Menü, das es in sich hat. Zum Einen geht die im Vorband begonnene Geschichte um Rhevenge und seine Abhängigkeit von der Sympathenprinzessin. Eine Tragödie, die vielleicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag fortgesetzt worden wäre, wenn nicht die Krankenschwester Ehlena in sein Leben getreten wäre. Zum anderen spitzt sich die Lage um Wrath und Beth zu. Der Vampirkönig ist es satt vom Schreibtisch seine Untertanen zu kommandieren und wagt sich heimlich wieder in den Kampf, sehr zum Missfallen seiner Frau Beth, die ziemlich sauer wird, als sie davon erfährt, nicht um des Kampfes Willen, sondern wegen der Lügen und dem damit verbundenen Misstrauen, das er ihr entgegengebracht hat. Der dritte Handlungsbogen betrifft John Matthew, der erkennt, was die Rhevenges Leibwächterin in Wahrheit ist: Eine Sympathin. Zwischen Pflichtbewusstsein und Decken hin und hergerissen versucht John Rat bei dem mittlerweile wieder aufgetauchten Tohr zu finden, doch der ist bisher verschlossen wie eh und je und keine Hilfe für John, sodass dieser sich plötzlich zurückzieht und eine Null-Bock und No-Future-Nummer abzieht, indem er sich sinnlos betrinkt und Frauen der Reihe nach flach legt, als gebe es kein Morgen mehr. Im vierten Handlungsbogen haben wir noch Lash, Johns Widersacher, der sich bereits im letzten Roman als Omegas Sohn offenbart hat. Lash sieht sich mit der mangelnden Organisation der Lesser-Gemeinschaft gegenüber und sucht Mittel und Wege der Geldbeschaffung, während er gleichzeitig den Sympathenkönig um Hilfe bittet, nicht ahnend, dass dieser … nein, das sollten Sie bei Interesse schon selbst lesen.

Wie eingangs erwähnt sind der 13. und 14. Band wieder ein schönes Highlight der Serie. Die mittlerweile üblichen Hänger im Mittelteil (dann, wenn Band 2 der deutschen Ausgabe beginnt) sind zu verschmerzen.

Mit diesem Doppelband hat leider auch die Übersetzerin gewechselt. Statt Astrid Finke überträgt nun Corinna Vierkannt die Geschichte ins Deutsche … und hätte es lieber bleiben lassen sollen. Meine anfänglichen Zweifel, dass Begrifflichkeiten und Stimmungen nicht so übersetzt werden, wie man es von Frau Finke gewohnt war, haben sich nicht bestätigt. Doch dafür offenbart Frau Vierkannt eine fürchterliche Grammatikschwäche, die mir sehr sauer aufgestoßen ist. Rechtschreibfehler, wie Falschschreibung oder fehlende Wörter sind bei jedem großen Verlag an der Tagesordnung, doch die Benutzung von falschen Fällen, falschen Wörtern, falscher Pluralbildung und einer unschönen Schwäche bei der Verwechslung der Wörter „hin“ und „her“ trübten das Lesevergnügen ein wenig. Im zweiten Band sogar weit mehr als im ersten. Wo war da der Lektor, wenn man ihn brauchte?

 

 

Racheengel

J.R. Ward - Black Dagger 13 - Racheengel

J.R. Ward - Black Dagger 14 - Blinder König

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2 Kommentare zu “Bei Jessica werde ich schwach

  1. Christiane 12. Januar 2011 um 16:00 Reply

    Lies es im Original, lies es besser im Original, mein Bester!

    • Martin Kay 12. Januar 2011 um 19:16 Reply

      Never, ever. Ya know my philosophy. 😉

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