Back to business: Eileen Hannigan meets Vigilante

So, Freunde der Nacht. Wenn ihr wüsstet, was ich weiß, wollt ihr lieber gar nicht wissen, was ihr dann wüsstet.

Während mein geschätzter Verleger letzte Hand an »Kalte Spuren« legt, damit er euch den Schinken bis Ende Juni mit Schmackes um die Lauscher hauen kann, während der Lektor seine letzten freien Tage genießt, ehe er sich mit »Code Misty Hazard« herumschlagen darf und schier an seinem Verstand zweifeln wird, da nutze ich die Gunst der Stunde und schreibe einfach an »Die Generäle« weiter.

Das ist der dritte Roman um Eileen Hannigan und Gwendolyn Stylez und gleichzeitig das Debüt von Mark Jedediah Vigilante, ja ihr wisst schon, der aus »Das Vigilante Prinzip«, das ihr jetzt wieder käuflich im Amazon-Kindle-Shop erwerben könnt.

Genau wie meinem Lektor und dem Setzer blieb mir beim Schreiben von »Kalte Spuren« stellenweise die Spucke weg. Bei »Code Misty Hazard« stand der Gedanke „Mein Gott, was habe ich nur getan?“ im Vordergrund. Was bei »Die Generäle« auf mich zukommt, weiß ich noch nicht, denn wie gewohnt entwickelt sich die Story während des Schreibens. Ich fürchte, ich werde ab der Hälfte des Manuskripts an eine Herzlungenmaschine angeschlossen und vom Krankenbett aus die letzten Seiten aufs Display oder dann vielleicht sogar aufs Papier bringen.

Zum Einstieg der Beginn vom Prolog. Völlig unkorrigiert. Nur für euch. Jetzt:

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika war tot. Sein weißes Hemd war an zwei Stellen zerfetzt und dunkelrot verfärbt. Eine Kugel war direkt in die Herzgegend in seinen Körper eingedrungen. Ein weiteres Loch gähnte in seiner Stirn, fast genau in der Mitte zwischen den Brauen. Die Augen starrten mit einer unheimlichen Leere zur Decke hoch. Sein Mund stand offen. Der Entsetzensschrei im Augenblick des Todes war nie über seine Lippen gekommen. Dafür hatte der Kopfschuss gesorgt und ihm jede Chance genommen, seiner Wut, dem Schmerz und der Überraschung verbal Ausdruck zu verleihen.
Mark Jedediah Vigilante starrte auf den Toten und wünschte sich, er könnte seine Augen vor dem Anblick verschließen. Das starre Gesicht seines Schützlings sollte nicht das Bild sein, das er von ihm in Erinnerung behielt. Vigilante wollte an den stets gut gelaunten Mann denken, der jeden Morgen seinen Hund zu einer kurzen Runde um das Weiße Haus führte, noch bevor er einen Blick in die Washington Post warf, seine E-Mails checkte und die ersten Gespräche mit seinem Beraterstab führte. Er wollte sich an den freundlichen Herrn erinnern, dem trotz seiner Macht immer ein lockerer Spruch auf den Lippen lag, mit dem man über die Baseballergebnisse und Familie reden konnte, der einem ein offenes Ohr schenkte, auch wenn man nur ein kleines Rädchen im Getriebe der Regierungsmaschinerie war. Präsident Brian Matthew Wallace hatte all diese Eigenschaften. Er kümmerte sich um die kleinen Leute in seinem Umfeld. Er gab ihnen das Gefühl, wichtig zu sein. Insbesondere diejenigen, denen er täglich sein Leben anvertraute.
Und ausgerechnet die hatten ihn enttäuscht.

Vigilante strich mit einer Hand über die Lider des toten Präsidenten, doch es gelang ihm nicht auf Anhieb, sie zu schließen. Er versuchte es mit Nachdruck und zuckte zurück, als er dabei die Augen Wallaces berührte. Es war nicht so einfach, wie man den Zuschauern von Film und Fernsehen glauben machen wollte. Schließlich schaffte er es und atmete erleichtert auf, den starren Blick nicht mehr ertragen zu müssen.

Langsam hob Vigilante den Kopf. Die Lagerhalle war von Leichen gesäumt. Nicht weit von ihm und dem Präsidenten entfernt lagen seine Kollegen und Kolleginnen vom Secret Service.

Vier Agenten. Alle von Kugeln durchsiebt.

Ein Massaker. Es hatte nur wenige Sekunden angedauert, doch fatale Auswirkungen gehabt.

Zwischen den Leichen lagen quer in der Halle verteilt weitere reglose Körper von Männern in dunklen Feldanzügen. Sie waren ausnahmslos mit automatischen Waffen ausgestattet gewesen und hatten dem Secret Service kaum eine Verteidigungsmöglichkeit gelassen. Dennoch war es den Agenten gelungen, alle Angreifer auszuschalten – um den Preis des eigenen Überlebens.
Vigilante hatte den letzten von ihnen erwischt. Im selben Moment, in dem sich der Präsident die Kugel zwischen den Augen einfing entleerte der Agent sein Magazin im Körper eines grobschlächtigen Riesen, der schon mehrere Treffer der anderen Bundesagenten eingesteckt hatte und trotzdem noch auf den Füßen stand.

Vorsichtig schob Vigilante den Körper des toten Präsidenten beiseite, rückte ihn so auf dem Boden zurecht, dass er seiner Meinung nach einen friedlichen Eindruck machte, doch die Löcher in Brust und Schädel konnten die Gewalt seines Todes nicht verbergen. Der Agent wusste, dass er forensische Untersuchungen erschwerte, wenn er etwas am Tatort veränderte, doch er glaubte nicht, dass die Kriminologen der tschechischen Behörden so schnell hier aufkreuzten. Viel wahrscheinlicher war, dass weitere Angreifer die Bühne betraten.

Vigilante blickte an sich hinab und tastete seinen Körper ab. Ein paar Schrammen vom Sturz, ein abgerissener Knopf des Hemdes, dort wo der Präsident sich an ihm festgekrallt hatte, als ihn die ersten Projektile trafen. Eine unordentliche Krawatte und ein geschwärzter Button am Sakko-Kragen, der das Sternenbanner der Vereinigten Staaten zeigte. Er war unverletzt. Wie durch ein Wunder.

Mit einem letzten Blick zum toten Präsidenten richtete sich Vigilante auf, ließ das leere Magazin der SIG Sauer P229 aus dem Griffschacht gleiten und schob ein frisches hinein. Der Verschlussschlitten schnellte nach vorn. Die Waffe war feuerbereit. Vigilante behielt die Pistole in der Hand und atmete tief durch. Sein Blick schweifte über die Toten. Er biss die Zähne zusammen und versuchte nicht daran zu denken, mit wie vielen von ihnen er bereits seit Jahren Dienst im Personenschutz schob, mit welchen er sich bereits auf ein Bier nach Feierabend getroffen hatte und wen er zu seinen Freunden zählte.

Doug. Doug Berenson befand sich am nächsten. Neben ihm lag die kurze MP5, die einzige automatische Waffe, die der Secret Service zu diesem Treffen mitgebracht hatte. Das restliche Arsenal lag in den Stau- und Kofferräumen der Fahrzeuge, mit denen sie hier herausgefahren waren.

Das Treffen war eine Falle gewesen. Ein diplomatischer Höflichkeitsbesuch in Prag. Eine Einladung, die Fabrik für Mikrochips eines amerikanischen Hardware-Herstellers zu besuchen. Die Planer des Secret Service hatten arge Probleme gehabt, den Termin noch zwischen all die anderen zu drücken, zumal die Einladung seitens der Tschechen spontan kam und kaum Zeit blieb, eine ordentliche Sicherung des Geländes vorzunehmen. Letztendlich hatte der Präsident selbst entschieden, hier herauszufahren. Ohne Vorauskommando des Secret Service, das das Areal untersuchte und sicherte.

Der Albtraum eines jeden Personenschutzplaners. Die Unvorhersehbarkeit des Eigenwillens ihres Schutzbefohlenen. Meist ging so etwas schief. Diesmal so gründlich, dass der Präsident mit seinem Leben bezahlen musste.
Vigilante hob einen Arm und führte das Revers-Mikrofon an seine Lippen. Er drückte den Sendeknopf und wollte sprechen, doch er bemerkte bereits an dem fehlenden Knacken, dass die Verbindung tot war. Fluchend bückte er sich zu Doug Berenson, entfernte den Ohrstöpsel des Toten und drückte ihn ins eigene Ohr. Dann berührte er die Sendetaste an Dougs Sakkorevers. Ohne Ergebnis. Der Funkverkehr zum Hauptquartier war komplett unterbrochen worden. Vigilante zog sich den Ohrstöpsel aus dem Gehörgang, nahm die MP5 an sich und holte aus seiner Sakkotasche sein Mobiltelefon hervor. Kein Netz.

Er versuchte es auch mit Berensons Telefon. Mit dem gleichen Resultat. Irgendjemand hatte ein Störfeld errichtet. Bei ihrer Ankunft waren sowohl Funkverbindung, als auch GSM-Netz noch intakt gewesen.
Seufzend schob Vigilante das Handy seines toten Kollegen wieder zurück in dessen Tasche und ging dann langsam in Richtung Ausgang. Er sah sich aufmerksam um und erwartete irgendwo in der Halle noch einen Heckenschützen auszumachen, der in aller Ruhe abwartete, was er als nächstes unternahm. Doch da war niemand. Nur Tote.

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