Hands on des Kobo Glo – E-Ink mit Touchscreen und Lichtgitter

Am 22. November erscheint in Deutschland der neue E-Reader von Amazon, der Kindle Paperwhite.

Statt revolutionärer E-Ink-Technologie wird ein papierweißes Blatt jedoch nicht durch ein neuartiges Display erreicht, sondern schlicht und einfach, doch eine Beleuchtungsvariante. Das gleiche Prinzip verwendet das Konkurrenzprodukt aus Kanada, der Kobo Glo.

Die Spezifikationen des Kobo Glo und des Kindle Paperwhite sind vergleichbar. Beides 6″ Geräte mit einer Auflösung von 1024 x 768 Pixeln. Die Auflösung, das nehme ich gleich vorweg, ist aber kein Kauf- oder Umstiegsgrund, wenn man bereits ein E-Ink Gerät mit Pearl-Display und 800 x 600 sein eigen nennt, denn sie macht sich im Schriftbild so gut wie nicht bemerkbar. Einzig Schwarzweiß-Zeichnungen oder Coverbilder sind schärfer und feiner abgebildet, als auf den Geräten mit niedriger Auflösung.

Für den Kobo Glo kann man ein Kobo-Konto einrichten, um direkt im Kobo Shop Bücher zu kaufen. Muss man aber nicht. Ich verwende das Gerät, da ich noch über 20 ungelesene Epub-Bücher habe. Durch den Kindle mit 6″ Display verwöhnt, ist es eine Qual die Epubs auf meinem alten 5″ Sony Reader zu lesen. Da macht ein 6″ Display einfach viel mehr Spaß. Die Anschaffung des Glo ist günstiger, als die Bücher noch einmal für den Amazon Kindle nachzukaufen. Wer keine Bücher über Kobo kaufen will, kann dies bei dem Epub-Händler seines Vertrauens (Libri, BOL, Thalia, Beam Books etc) tun und die Bücher per Adobe Digital Editions auf den Glo übertragen.

Kommen wir zum Gerät selbst. Wie schon der Kobo Touch verwendet auch der Glo ein Touchdisplay, das ähnlich wie das des Sony Readers reagiert. Verwendet wird hier die Infrarotgittertechnologie (im Gegensatz zum Kindle PW; hier setzt Amazon auf ein kapazitives Display). Da Kobo keine Glasschicht über dem Display nutzt (bei Infrarot nicht notwendig) fühlt sich die Oberfläche des Displays nicht glasglatt sondern leicht angeraut an. Der Touchscreen reagiert flott und zügig.

Mit komplett abgeschaltetem Licht liest es sich auf dem Glo wie auf einem herkömmlichen Kindle. Es stehen 11 Schriftarten zur Verfügung, deren Buchstaben- und Zeilenabstandgröße stufenlos zoombar ist. Ebenso lassen sich die Ränder des Displays justieren, ein Block- oder Flattersatz erzwingen, je nachdem wie man es gerne hat. Analog zum Kindle kann man Sammlungen auf dem Gerät anlegen. Hier werden sie Regale genannt. Für mich immer ganz praktisch, da ich gerne Bücher in die Kategorien „Ungelesen“, „Nachttisch“ und „Gelesen“ verschiebe.

Der Kobo-Shop ist direkt im Gerät integriert und bei eingeschaltetem WLAN anwählbar.

Kommen wir nun zum Glo(w)-Effekt. Wie beim Amazon-Pendant Paperwhite verwendet auch der Glo eine Lichtgittertechnologie, bei der durch LEDs emittiertes Licht gleichmäßig über das Display verteilt wird und so einen Effekt hervorruft, der an Tageslicht erinnern soll. Soll, wohlgemerkt, denn dass hier Leuchten im Spiel sind merkt man sehr wohl. Im Gegensatz zu einer externen Leselampe reagieren die Augen auch ganz anders auf das Lichtnetz. Es ist zunächst ungewohnt auf das Lichtdisplay zu sehen. Auch wenn das Licht nicht aus dem Hintergrund des Bildschirms (wie beim LCD) kommt, sondern sich von außen darüber legt, hat man das Gefühl, der Bildschirm leuchtet den Betrachter an.

Ob dieser Effekt die Augen ebenso ermüdet wie ein LCD, wird der Praxistest zeigen.

Sehr nervig beim Kobo Glo ist die Lichtsteuerung. Im Gegensatz zum Paperwhite lässt sich mittels Hardbutton das Licht komplett abschalten. Pluspunkt für den Glo. Aber: Bei aktiviertem Licht wird permanent ein schwarzer Balken im unteren Bildschirmrand eingeblendet, über den man die Lichtsteuerung aufrufen kann. Der Balken kaschiert wohl die Lichthöfe, die beim Paperwhite bemängelt wurden, aber beim Lesen stört mich dieser Balken mit dem Glühlampensymbol. Wie alle übrigen Steuerelemente hätte man ihn einfach ausblenden und bei Bedarf einblenden lassen können.

Der Glo liegt als Gleichgewicht gut in der Hand. Rückseite und Seitenränder fühlen sich leicht gummiert an, sind allerdings zumindest in schwarzer Farbe hochgradig fingerfettempfindlich. Möglicherweise verschafft ein Gerät in Weiß hier Abhilfe, aber Achtung, nur die Rückseite des Gerätes ist dann weiß. Die Front ist weiterhin in schwarzem Rahmen gehalten.

Der Kobo Glo wartet mit einigen Einstellmöglichkeiten auf, die über das simple Aktiveren oder Deaktivieren von WLAN oder Licht hinausgehen. So lässt sich bestimmen, wann das Licht bei Inaktivität ausgehen soll, wann sich das Gerät in den Ruhemodus (Standby) legen oder komplett herunterfahren soll. Auch lässt sich das aktuelle Buchcover (so fern der Verlag es für nötig hält, das Cover mit ins Ebook einzubinden) als „Bildschirmschoner“ aktivieren, sodass bei ausgeschaltetem Gerät oder im Standby statt eines leeren Schirms das Cover auf dem Display abgebildet wird.

Kobo bietet wie Amazon als Zubehör ein Sleepcover ein. Auch diese Einstellung lässt sich einrichten. Verwendet man das Sleepcover wacht der Glo bei öffnen des Coverdeckels automatisch aus dem Standby auf und versetzt sich in den Standby sobald man den Deckel schließt. Analog zu den Magnetcovern, die man bereits von Tablets wie iPad, Nexus 7 und Kindle Fire kennt.

Kaufempfehlung für den Glo? Wer oft im Dämmerlicht oder im Bett liest und durch eine externe Beleuchtung niemanden stören will, der mag die integrierte Beleuchtung zu schätzen wissen. Wer darauf verzichten kann, ist aber auch mit dem günstigeren Kobo Touch (99 Euro) gut bedient. Wer sich lieber Sony anvertraut, kann auch hier zugreifen, denn Ebooks.de (vormals Libri.de) bietet den brandneuen Sony PRS T2 für den gleichen Preis wie den Kobo Touch an. Der Sony Reader verfügt zusätzlich über Blätterhardwaretasten, allerdings hat Sony seit den letzten drei E-Reader-Generationen nicht begriffen, an welcher Stelle des Gerätes Blättertasten untergebracht sein müssen. Statt seitlich am Rand befinden sie sich im unteren Gerätebereich auf der Front, sodass einhändiges Lesen unmöglich wird.

Wer komplett auf Epub verzichtet und sich lieber Amazon anvertraut ist hier mit dem Kindle für 79 Euro bestens bedient. Die Displaytechnologie E-Ink hat sich nicht nennenswert verbessert (was auch für den Paperwhite) gilt und für 79 Euro ist der Kindle ein echter Schnapp (vor allem vor dem Hintergrund, dass vor zwei Jahren E-Ink Geräte von Sony noch 299 Euro gekostet haben!).

Fröhliches E-Reading 🙂

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4 Kommentare zu “Hands on des Kobo Glo – E-Ink mit Touchscreen und Lichtgitter

  1. Kim 11. November 2012 um 22:15 Reply

    Ich habe glücklicherweise bereits meinen E-Book Reader meines Vertrauens gefunden 🙂

  2. Don Colchon 15. November 2012 um 08:40 Reply

    So kann man den schwarzen Balken der Lichtsteuerung ausblenden:

    Einstellungen -> Beleuchtung, Ruhemodus… -> Leuchtanzeige sichtbar -> Hell

    So liest’s sich gleich viel angenehmer 😉

    Ansonsten ist der Kobo Glo ein tolles Gerät, das ich nicht mehr missen möchte.

    • Martin Kay 15. November 2012 um 23:51 Reply

      Super! Danke für den hilfreichen Hinweis!

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