Arbeiten mit Windows 8

Als ich die ersten Bilder von Windows 8 sah und mich über die Möglichkeiten informierte, kam mir gleich eines in den Sinn: Windows 8 – gute Nacht!

Nun, man soll nichts behaupten, das man nicht zumindest ausprobiert hat. Seit gut einer Woche beschäftige ich mich intensiv mit Redmonds neuestem Geniestreich. Oder zumindest dem, was Steve Ballmer und seine Mannen für einen Geniestreich halten.

Was unterscheidet Windows 8 von den Vorgängerversionen? Wir haben ein Betriebssystem, aber zwei User Interfaces (UI). Zunächst einmal die allseits beworbene Modern UI in der Kacheloptik, die in ihrer wenig anmutigen Schönheit an das unsägliche Windows Phone 7 erinnert. Wahllos auf einen kaum veränderbaren Homescreen geballerte Kacheln in zwei Größen zieren einen Schirm, der von links nach rechts gescrolled werden kann. Dabei handelt es sich bei einigen dieser Kacheln um Live Kacheln – sie zeigen, wenn mit dem Internet verbunden – neue E-Mails an, ändern das Wetter, zeigen Fotostreams oder aktuelle Nachrichten. All das, was man von Widgets schon kennt, nur waren diese wesentlich komfortabler. Eine Live-Kachel kann immer nur eine Information auf einmal anzeigen, also eine Mail, eine Nachricht, ein Foto usw. Ausgeklügelte Widgets zeigen die letzten fünf oder zehn Nachrichten – und das nicht nur bei Android, denn die Nachrichtensysteme von OS X und iOS arbeiten inzwischen ähnlich.

Die Modern UI ist ganz klar als Touch-Bedienungssystem ausgelegt und soll a) die Brücke zwischen Windows Phone 8 bilden und b) für Tablets optimiert sein.

Soweit der Grundgedanke. Auf der Modern UI funktionieren nur die Apps, die auch für diese grafische Oberfläche ausgelegt sind. Berührt man eine Kachel, hinter der sich eine Desktop App verbirgt, wechselt Windows 8 zur zweiten integrierten UI – dem alt bekannten Desktop von Windows 7.

Zumindest im Ansatz alt bekannt, denn der neue Desktop ist arg beschnitten worden. Auf den ersten Blick fehlt beispielsweise der START-Button, bzw. der mit Windows Vista eingeführte Start-Ball. Ich habe bisher nicht herausgefunden, wie man ohne diesen überhaupt ein Programm öffnet, das keine Desktop- oder Taskleistenverknüpfung ausweist. Die Mühe, das herauszufinden, mache ich mir auch nicht mehr, denn etwa nach einer halben Stunde Desktopnutzung hatte ich diesen schon mit START 8 getweaked, einem kostenpflichtigen Programm, dass einen START-Button zum Desktop hinzufügt und die Sache damit wieder abrundet. Dazu noch eine Desktop-Anzeigen-Verknüpfung in die Taskleiste gelegt und einen Eintrag geändert, damit beim Bewegen des Mauszeigers in die rechte untere Ecke AERO-PEAK aktiviert wird und schon sieht der Windows 8 Desktop vertraut wie der unter Windows 7 aus. Nur Minianwendungen (Widgets) könnt ihr vergessen, die gibt es nicht mehr.

Was macht das Arbeiten mit Windows 8 jetzt kompliziert? Lassen wir mal die 12 Möglichkeiten, den Rechner herunterzufahren, wobei jede umständlicher ist, als die vorgehende, außer Acht. Das Wechselspiel Modern UI will nicht so recht funktionieren. Früher war das einfach: Im Mailanhang befand sich ein Bild? Doppelklick und es öffnete sich ein Grafikbetrachter und man konnte zwischen dem Betrachter und dem Mailprogramm wechseln, indem man einfach unten in der Taskleiste die geöffneten Programme anklickte.

Soweit die Theorie. Öffnet man in Windows 8 von der Desktop Ebene ein Bild oder ein PDF, ganz gleich ob von der Festplatte oder aus einer E-Mail, dann öffnen sich Grafik- und PDF-Viewer … allerdings in der Modern UI. Sehr doof wenn eine E-Mail gleich ein Dutzend anhänge hat und man immer wieder zwischen MUI und Desktop hin und her switchen muss (was durch drücken der Windows-Taste geht oder durch Wischen vom linken Rand in die Bildschirmmitte oder durch Ziehen der Maus in die linke obere Bildschirmecke und Klick auf das dort erscheinende Vorschaufenster der zuletzt benutzten App (in diesem Fall die Desktop App – ja genau, der Desktop ist letzten Endes nichts anderes, eine App, eine Shell whatsoever!).

Apropos Mail: Der integrierte Mailclient „Windows Mail“ ist eine reine MUI-Anwendung und völlig daneben programmiert. So ein rudimentäres E-Mail-Programm kennt man eigentlich nur aus … ja, woher eigentlich? Da ist der Standardmailclient von iOS oder Android wesentlich komfortabler.

Überhaupt: Am Anfang war der Speicher! Es hat durchaus Sinn ergeben, zu einer Zeit, da Smartphones nur über knapp 100 MB internem Speicher verfügten, Daten zu den Apps aus der Cloud zu ziehen.

Schauen wir mal: Installiert ihr Dropbox oder Evernote auf euren Desktoprechnern oder Notebooks, befinden sich die Daten auch offline verfügbar auf euren Festplatten. In einem  Smartphone von 2010 war das wenig sinnvoll, denn ein Gerät wie das HTC Desire, das seinerzeit als Smartphone mit dem größten Speicher angepriesen wurde (bis es zwei Monate später vom Galaxy S um Längen geschlagen wurde), wollte man natürlich nicht mit 2 GB Dropbox-Daten und unzähligen MB oder GB an Notizen zumüllen.

In der Zeit der 8, 16, 32 oder gar 64 GB-Endgeräte ist so eine Maßnahme schon fast unnütz. Zwar bieten Dropbox und Evernote nicht standardmäßig im mobilen Einsatz die Offline-Funktion, aber sie lässt sich nach belieben jederzeit zuschalten, um Daten auch ohne aktive Internetverbindung aufs Display zu holen.

Nicht so bei Windows 8. Sowohl Dropbox als auch Evernote Touch bedienen sich aus der Cloud ohne Möglichkeit ohne Internet an die Daten zu gelangen. Außerdem lassen beide Anwendungen auch einigen Komfort vermissen. Als Touch-Apps sind sie zwar ganz lustig, aber wenig produktiv. Hilft also alles nichts, man wechselt zum Windows 8 Desktop und installiert dort Dropbox und Evernote für Windows und hat das Problem gleich gelöst.

Wie sieht es mit Windows 8 in Unternehmen aus? Sicherlich machbar, denn das System lässt sich insoweit einschränken, dass der Rechner direkt in den Desktop-Modus hochfährt und alle MUI-Apps völlig ignoriert. Somit wäre ein Arbeiten auf reiner Desktop-Ebene möglich.

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Unternehmen Windows 8 wie weiland Windows Vista einfach überspringen und erst wieder bei Windows 9 auf den Zug aufsetzen … oder beginnen zu OS X zu wechseln. Ist ja nicht so, als würden alle Unternehmen mit Windows arbeiten.

Touch partout? Als ich heute meinen Laptop herunterfuhr bemerkte ich das mit Fingerabdrücken übersäte Display. Ja, das ist ein Gerät mit kapazitivem Touchdisplay. Touch allerdings hatte ich in den letzten vier Tagen gar nicht mehr benutzt. Weder auf dem Desktop (wo es sowieso völlig unsinnig ist unpraktikabel ist) noch auf der Modern UI Oberfläche. Letzteres ist Dank Touchpad auf dem Laptop möglich ebenso wie über eine Touchgestenmaus von Logitech. Da mir Gestensteuerung schon von OS X über Magic Mouse und Magic Trackpad bekannt sind fluppt die Bedienung mit der Logitech T400 Zone Touch Maus einwandfrei und durch den häufigen Wechsel zwischen MUI und Desktop sogar noch wesentlich angenehmer, als über den Bildschirm zu wischen.

Touch ist also nur ein Muss für die Windows Tablet Fanatiker. Die jedoch haben das Nachsehen, denn:

1. Windows 8 als Tablet System ist wegen des Desktops was für den Poppes. Nicht zu gebrauchen ohne Maus und für produktives Arbeiten

2. Windows RT als Tablet System ist als Kachelorgie um so vieles schlechter als Android oder iOS, das man hier besser gleich die Griffel von lässt.

Ich revidiere mein Gute Nacht Urteil und sage nun: Windows 8 – na, wenn’s schö‘ macht …

Guten Abend 🙂

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