Microsoft Lumia 950 XL – 72 Stunden Testbericht

Etwa  72 Stunden ist mein Lumia 950 XL alt – und da Microsoft bereits heute das kostenlos zum Gerät erhaltene Displaydock geliefert hat, wird es mal Zeit für ein kleines Fazit.

Design:

Beim Äußeren bleibt Microsoft der von Nokia gepflegten Lumia-Bauweise treu. Die Geräte ähneln sich alle irgendwie, wenn sie mittlerweile  auch wieder dünner geworden sind. Das 950 XL ist in etwa vergleichbar mit dem 640.

Trotz 5,7″ Display ist es genauso groß wie das OnePlus 2 mit 5,5″ und nur geringfügig breiter, dafür aber dünner. Es liegt gut in der Hand, was dem matten Plastik-Finish zu verdanken ist. Nein, ich verwende hier keine beschönigenden Worte mit irgendeiner Form von Polyethylencarbonat. Plastik bleibt Plastik. Basta!

Und da kommen wir  auch zum Knackpunkt. Bei Samsung oft genug als Plastikbomber verschrien macht Microsoft hier genau das Gleiche. Immerhin handelt es sich beim 950 und 950 XL um Flaggschiffe, die bei einer Preislage von 600 – 700 Euro schon weit Besseres als eine Plastikummantelung verdient haben. Das letzte Flaggschiff, das Lumia 930, damals noch unter Nokia ins Leben gerufen, hatte zumindest einen Metallrahmen, wie man ihn erstmal bei Samsungs Note 4 zu sehen bekam.

Die Tastenanordnung auf der rechten Seite geht (für Rechtshänder) weitgehend in Ordnung. Die Tasten stehen allerdings eine Spur zu weit hervor, und der tiefer gelagerter Kameraauslöseknopf wird beim bloßen Handling des Gerätes bei mir viel zu oft unbeabsichtigt gedrückt und die Kamera-App gestartet.

Des Weiteren fehlt ein wichtiges Feature, das normalerweise mit allen Lumia-Geräten daher kommt: Tap-to-Wake wurde offensichtlich aufgrund eine Softwaremangels nicht implementiert. Schön doof, wenn man das Smartphone auf dem Tisch liegen hat und es nur kurz wecken will, um Uhrzeit abzulesen, ohne es dabei in die Hand nehmen zu wollen. Mit dem seitlichen Power-Button kein leichtes Unterfangen. Seltsamerweise ist das „Tap-to-Sleep“ bei Doppeltipp auf die Funktionsleiste aber vorhanden.

Der Lautsprecher auf der oberen Rückseite hat sicherlich nicht die beste Position, gerade, wenn das Gerät auf dem Rücken liegt. Da die Rückseite aufgrund der riesigen Kameraaussparung aber ohnehin nicht eben auf einer glatten Unterfläche liegt, bleibt immer etwas Luft zwischen beispielsweise Tischplatte und Lautsprecher, sodass eine entsprechende Resonanz vorhanden ist.

Warum aber die Kameraussparung dermaßen gewaltig sein muss, entzieht sich meiner Kenntnis. Der Sensor selbst ist da eher klein und den Dreifachblitz hätte man auch woanders unterbringen können. Beim kleineren 950-Bruder sieht es nicht mehr so riesig aus, trotz gleicher Kamera?

Zwei Anschlüsse lassen uns Kabel einstecken. Oben befindet sich der 3,5 Klinkenanschluss unten der USB-Typ-C Port, der primär zum Aufladen dient, aber auch rasant Daten überträgt. Etwa an das optional erhältliche und eingangs erwähnte Displaydock. Per HDMI an einen großen Bildschirm angeschlossen verwandelt die Continuum-Funktion das Windows 10 Mobile Gerät in ein Windows 10 Gerät. Mit Tastatur und Maus hat man hier nun einen Desktop-Ersatz, zumindest was die gängigen Anwendungen wie Office und Internet betrifft. Derzeit wird eine bestimmte Auswahl an Programmen für Continuum unterstützt, mit dabei der Browser Edge sowie die Microsoft Office Apps.

Mit 165 Gramm ist ist das Lumia XL 7 Gramm leichter als das iPhone 6S Plus. Dabei ist es 6 Millimeter kürzer als das Schwergewicht aus Cupertino und nur 0,6 mm breiter – bei 5,7″ gegenüber 5,5″ wohlgemerkt. Apple punktet mit 1 mm dünnerem Design – dafür lässt sich die Rückseite des Lumia öffnen und austauschen. Der Akku ist wechselbar, die Schächte für Micro-SD (laut Techblogs bis 2 TB erweiterbar, laut offiziellen Microsoft Specs bis 200 GB) und Nano-Sim (unter dem Akku) sind gut zugänglich.

 

Display

Punkt für Redmond. Mit einer Quad-HD-Auflösung (2560 x 1440 Pixeln) bewegen wir uns hier im Rahmen von aktuellen Samsung Flaggschiffen wie dem S6 und dem Note 5 – selbstverständlich mit AMOLED-Technologie. Dagegen kann Apple mit nur Full-HD (1920 x 1080) und LCD-Panel beim 6S Plus nicht anstinken. Die Farben wirken schön, nicht übersättigt, Texte sind ultrascharf. Das Display reagiert schnell auf Eingaben und es gibt keine spürbaren Verzögerungen, die ich noch beim 640 unter Windows Mobile 8.1 verzeichnete.

Kamera

Bisher konnte ich noch nicht wirklich unter allen Lichtverhältnissen den 20 MP Sensor von Zeiss testen. Die geschossenen Fotos sind klar, scharf, haben so gut wie kein Bildrauschen. Ich bin momentan begeistert.

Allerdings nehme ich im 16:9 Format auf, um ggf. Fotos auch bequem als Hintergrundbild nutzen zu können. Das reduziert die Megapixel auf 16. Pixeldichte ist jedoch nicht alles. Die Kamera-App verfügt über Feinschliff-Funktionen, der Sensor besitzt einen optischen Bildstabilisator und bewegte Bilder werden erkannt und in Serie geschossen, sodass keine verschwommene Aufnahme entsteht. Zum Aufhellen bei dunklen Lichtverhältnissen sorgt ein Dreifach-LED-Blitz, der als Taschenlampe Eichhörnchen erblinden lässt, die in freier Wildbahn angestrahlt werden.

Akku

Die eingebaute Batterie kommt mit 3.340 mAh daher. Das erscheint zwar großzügig, doch die bisherige Praxis bringt keine Wunder mit sich. Zwar ist das Befeuern eines AMOLED Displays über die direkte Pixelansteuerung stromsparender (schwarze Pixel werden nicht beleuchtet), doch es gibt Stromabnehmer, die das Gerät gerade mal über einen Tag bringen. Windows-typisch wird bei abgeschaltetem Display für eine gewisse Zeit auf dem schwarzen Display in schwachgrau die Uhrzeit, das Datum und Hinweise eingeblendet. Der Windows-Hello-Sensor scheint auch einiges an Strom zu fressen, dazu gleich mehr unter der Rubrik Software.

Nach dem Ausstecken morgens war das Gerät abends so gut wie leer. Übers Wochenende konnte ich von samstags 1:00 Uhr bis Sonntag 22:00 Uhr auskommen, ehe sich das Gerät abschaltete. Aber die Nutzung hielt sich am Wochenende eher in Grenzen.

Software

Windows 10 Mobile macht auf den ersten Blick eine sehr schöne Figur. Wahlweise kann ein Wallpaper nun nicht mehr nur in die Kacheln eingebunden, sondern auch hinter die Kacheln gelegt werden. Die Kacheln lassen sich über einen Schieberegler in verschiedenen Transparenz-Graden einstellen. Das Schnellzugriffsmenüh wurde stark erweitert, allerdings ist es nicht individuell anpassbar. Zu Verfügung stehen Verbinden, Stromsparmodus, Taschenlampe, Notiz (öffnet OneNote), Position (= Location), Flugzeugmodus, Datenverbindung, Mobiler Hotspot, Ruhezeiten, Helligkeit, Kamera, WLAN, Bluetooth, Rotationssperre und Alle Einstellungen – hier hat sich also einiges getan seit Windows 8.1

Das Einstellungsmenü ist Windows 10-typisch wesentlich übersichtlicher gehalten und fasst fast auf einer Bildschirmseite Platz – keine Scrollorgien mehr, wie bei Win 8.1

Aber es gibt auch Schatten 🙂

Eigentlich sollte man meinen, dass Betriebssysteme zwar Updates enthalten dürfen, aber bei ihrer Einführung Betaphasen hinter sich gelassen haben.

Microsoft beliefert seine Kunden gleich mit zwei Betaversionen: Noch immer befindet sich das Siri-Pendant Cortana in einer solchen Phase. Ebenso wie die sichere Entsperrung des Displays über einen Retina-Scanner.

Gerade letzterer (von Microsoft Windows Hello genannt) hat Potenzial den Fingerabdruckscanner abzulösen. Windows Hello funktioniert auch bei Dunkelheit und bei Brillenträgern. Wie bei der Hinterlegung eines Fingerabdrucks (bzw. dessen Merkmalen) nimmt die Frontkamera die Augeniris aus verschiedenen Winkeln auf. Schaltet man das Smartphone ein, leuchtet ein Rotlicht auf, um bei jedweden Lichtverhältnissen dafür zu sorgen, dass die Kamera die Iris erkennt.

Das klappt sehr zuverlässig, allerdings aus einer Entfernung von ca. 15 cm. Auf Armeslänge geht das nicht so ohne weiteres. Man hält das Handy also eigentlich dichter vor die Nase, als beim normalen Hantieren.

Im ersten Moment fühlt man sich vielleicht an das Entsperren per Gesichtserkennung erinnert, das mit einem Foto auszutricksen war – dem ist bei Windows Hello jedoch nicht so. Wird das Retinamuster nicht erkannt, muss per Pincode entsperrt werden.

Softwarebugs gibt es auch zu verzeichnen. Das Gerät startet des öfteren ungefragt neu. Als Verursacher wurde bisher die Bluetooth-Verbindung identifiziert. Mal sehen, ob es daran liegt und wann der Bug behoben durch ein Update behoben wird.

Drittanbieter-Apps wie What’s App machen auch einige Probleme. Es kommt mitunter vor, dass der Lautsprecher bei Gebrauch von What’s App nachrauscht. Des Weiteren klingt eine Audioaufnahme über What’s App seltsam verzerrt und verlangsamt – so wie Wolfgang Pampel in Indiana Jones 3 – wenn ihr versteht was ich meine.

Insgesamt hat Windows 10 Mobile noch einige Nachholbedarf. Während bei einem Laptop mit Windows 10 so gut wie jede beliebige Windows Desktop-App installiert werden kann, beschränkt sich die Installationsauswahl für den mobilen Bereich auf das, was der Microsoft Store hergibt. Zwar punktet der nicht mit Masse, hat dafür aber dann auch nicht die Qual der Wahl.

Im Mai 2015 wurde die Zahl der Apps bei Google Play auf 1.5 Mio bemessen, bei Apple auf „nur“ 1.4 Mio. Mal zum Nachdenken und auf der Zunge zum Zergehen lassen. Wie viele Apps habt ihr auf euren Smartphones installiert? 100? 150? 200? – wozu braucht ihr 1.5 Millionen (!) Programme, von denen sicherlich 90% doppelt, dreifach, n-fach im Shop vorhanden sind und unter anderem Namen, anders programmiert, die gleichen Funktionen bieten. Noch eine WetterApp, noch eine KalenderApp, noch eine To-Do-Liste, noch ein WLAN Finder usw usw usw.

Microsoft war im Mai mit ca. 360.000 Apps gelistet, mehr als ihr in eurem Leben je ausprobieren könnt. Sicherlich fehlt das ein oder andere noch (eine ordentliche YouTube-App beispielsweise), aber das Wichtigste ist entweder im Orginal oder in Form von Apps mit gleichem Funktionsumfang vorhanden. Wichtig sind die Apps, in denen Produktivdaten in die Cloud gespeichert werden. Es hilft einem Apple zu Windows Umsteiger nicht, wenn er kein Evernote unter Windows findet, aber unter iOS 5.000 Notizen in Evernote gespeichert hat. Die gängigen produktiven und systemübergreifenden Clouddienste, wie Evernote, Dropbox, Wunderlist sind jedoch bei Windows genauso vorhanden, wie bei der Konkurrenz.

Fazit nach 72 Stunden: Gefällt durchaus. Das Lumia 950 XL hat einen Androiden abgelöst. Hier und da noch ein paar Wehwehchen,die sicherlich durch Softwareupdates ausgemerzt werden können. Continuum wird demnächst getestet und die billig wirkende Plastikrückseite durch ein bereits vorbestelltes Lederbackcover abgelöst, das mit Metallrand das Gerät dann noch einen Touch edler wirken lässt.

 

 

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