Die Macht zum vierten Mal erwacht

Man spricht gerne von „digitalen Inhalten“, wenn von einer multimedialen Datei die Rede ist, zu der man kein physikalisches Trägermedium erwirbt.

Das ist natürlich Tinnef, denn eine Bluray zu kaufen, ist genauso digital und hat nichts mit analogen Technologien zu tun.

Statt „Stream“ zu verwenden, heißt es eben „und digital“! Wow.

Gut, der Vorteil solcher digitaler Inhalte, zumindest bei Filmen, ist, dass sie quasi wie Verleihmedien in Videotheken gehandhabt werden. Das wiederum bedeutet, dass man einen Film „digital“ (i.e. im Stream) leihen kann, wenn er auch in einer Videothek zum Leihen erscheint. Doch die Anbieter von Kaufstreams (wie Amazon, Apple und Google) beschränken Filmstreams nicht auf den Verleih, sondern schalten zum Verleihtermin auch gleich den Kauftermin frei.

Jauchzet und preiset den Herrn! Denn der geneigte Konsument „digitaler“ Inhalte, der auf ein physikalisches Trägermedium wie Bluray-Disc oder DVD verzichten kann, kommt in den Genuss, einen Film zwei Wochen vor dem Scheiben-Release zu kaufen und auch bereits anzuschauen.

Während die Bluray und DVD von STAR WARS – DAS ERWACHEN DER MACHT erst am 28. April erscheinen, konnte ich bereits vorletzten Freitag meine juckenden Finger nicht vom KAUFEN-Button lassen und habe bei iTunes zugeschlagen.

Selbstverständlich hab ich die Macht sofort erweckt und mir den Film reingezogen. Das erste Mal nach dem Kinogang im Dezember 2015. Aus irgendeinem Grund gönnte ich mir den Spaß noch einmal unter der Woche und am letzten Wochenende gemeinsam mit meinem Sohn.

Viermal ist die Macht jetzt erwacht. Der Film ist immer noch gut. Doch eine innere Unruhe plagt mich, wie sie mich nicht mal bei der ersten Trilogie (die die zweite war) gekümmert hat. Bei keinem der sechs Vorgänger hatte ich das dringende Bedürfnis mich darüber aufzuregen, was man falsch oder hätte besser machen können. Vielleicht liegt es daran, dass die ersten sechs Filme quasi „aus einer Hand“ kamen, wenn Onkle George auch nicht immer im Regiestuhl gesessen hat, so war er am Set doch sicherlich spürbar präsent – und letzten Endes sind es SEINE Filme.

Aber bei TFA (The Force Awakens) haben wir doch alles neu. Neue Schreiber, neuer Regisseur, neue Schauspieler – und dennoch ist alles alt. Lassen wir mal die Story, die eher an ein Reboot von Episode IV anmutet, als an eine Fortsetzung, außen vor. Das hab ich geschluckt. Nicht geschluckt hab ich nach viermaligem Anschauen des Films einige Details, die mich nicht loslassen.

Zunächst einmal wollen wir mit einem Gerücht aufräumen: Die Sturmtruppen treffen. Das haben sie schon in Episode IV getan, als die Tantive IV gestürmt wurde. Und auf Endor wurden nicht nur Ewoks und Rebellensoldaten getötet, sondern auch Leia von Sturmtruppen angeschossen. So treffen die Trooper auch in Episode VII – Dorfbewohner, X-Wing-Piloten, Durchreisende – nur die Helden halt nicht. Die haben Glück.

Fangen wir an mit dem, was mir nicht so passt.

Raumschiffe. Ein Planet, der durchs Weltall fliegt und „die“ Sonne als Energieeinspeisung nutzt, wohlgemerkt „die“ nicht „eine“ Sonne. Problem: Was macht der Planet, wenn die Sonne „leer“ ist? Was passiert mit seiner Atmosphäre, mit der Vegetation? Und wie bewegt er sich fort? Und kann General Hux seine flammende Nazi-Rede auch immer noch draußen bei lauschigen Minustemperaturen vor versammelter Mannschaft halten, wenn „die“ Sonne erloschen ist.

Und was ist das überhaupt für eine Waffe, die in allen Teilen der Galaxis am Horizont zu sehen ist? Nebst Explosionen von fünf Planeten, die die Neue Republik (oder nur Republik) darstellen? Spielt das neue Star Wars „auf einem Haufen“? Wieso ist nach kurzem Unterlichtflug Jakku plötzlich außer Reichweite und Han Solo birgt den Falken – und alle tun so als wären sie Lichtjahre von Jakku entfernt.

Und warum filtern die Helme der Sturmtruppen zwar Rauch, aber keine Toxine? Was ist denn das für ein meschiggener Mist?

Und wer war verantwortlich für das Design der Raumschiffe? Ein Klotz als Han Solos Frachter. Landungsboote, die nichts mehr von der Eleganz der Kanonenboote der Klontruppen in Episode II und III an sich haben. Einfach nur Streichholzschachteln mit einer Finne am Heck. Und Leia fliegt nicht in einem Kommandoschiff zwischen den Planeten hin und her, nein in einer Zigarre mit Quersteuerung, die nicht größer als ein Schulbus ist. Hallo? Geht’s noch?

Wo sind all die interessanten TIE-Fighter Designs geblieben. Jäger, Bomber, Abfangjäger. Nur das klassische Design blieb übrig, zugegeben mit Zwei-Piloten-Steuerung, aber da musste man sich ja was einfallen lassen.

Und die Rebellen, pardon, der Widerstand? Nur X-Wings? Als ob! Wo sind die schicken A-Jäger? Die Y-Wings, die B-Wings?

Und wenn wir vom Design sprechen, ja die Sturmtruppen sehen schön aus, aber ihre Waffen wie Laserpistolen aus einem Barbarella-Film. Glitzer und Glimmer? Das passt nicht so recht zusammen.

Und dann wird die Kommandeuse der Sturmtruppen gefangen genommen und niemand fordert sie auf, den Helm abzunehmen? Man schaut lieber in ein anonymes Gesicht? Quark, der erste Impuls ist, jemandem in die Augen zu sehen. Maske ab, Brille runter, und der Pisspott, den Finn erwähnt, auch.

Nach mindestens dreißig Jahren gemeinsamer Abenteuer schießt Han Solo das erste Mal mit Chewbaccas Armbrust? Ja, nee, is klar.

Der Sturmtruppler, der Finn hätte mit einem Schuss erledigen können, wirft Blaster und Schild weg, um ihm dann mit einem Elektro-Vibro-Stab eins über zu braten? Kaum.

Und wieder nur öde, abgelegene Planeten? Tatooine, Jakku? Wo ist der Unterschied? Yavin IV, D’Qar (Ileenium-System), wo ist der Unterschied? Takodana und Endor? Och, bitte!

Okay, Ahch-To sieht jetzt nicht aus wie Dagobah, aber … ich vermisse ganz einfach die Zivilisation, wie sie endlich mal in Episode I, II und III zumindest auf Coruscant dargestellt wurde. Der kurze Ausblick auf Hosnian Prime kurz vor dessen Auslöschung war, nun ja, zu kurz.

Ach ja, dann haben wir noch das Jüngelchen. Kylo Ren alias Ben Solo. Was bitteschön ist das denn? Als Bösewicht nicht ernst zu nehmen. Als Jammerlappen eher.

Schlimmer ist aber: Zu Beginn wird er als übermächtig dargestellt. Er ist in der Lage einen Laserblitz anzuhalten. Hat nicht mal sein Opa getan, der hat lediglich die Blitze aus Han Solos Blaster in seinen Panzerhandschuh umgelenkt (auf Bespin) – aber einen Blitz anhalten, in der Luft zu halten? Und selbst dann noch zu halten, wenn man sich längst auf ganz andere Sachen konzentriert?

Und am Ende, beim Zweikampf gegen Finn und Rey ist von dieser allmächtigen Macht nichts mehr zu merken? Klar, Kylo ist verwundet und klopft sich immer schön mit der Faust gegen die Wunde, als ob er dadurch die Schmerzen verbannen könne, aber wer so mächtig ist, einen Laserblast aufzuhalten … nee, kommt, da vernatzt ihr mich doch.

So, genug gemeckert. Ich freue mich auf Rogue One – der scheint ganz anderer Natur zu sein und ohne die Muppetshow und putzige Droiden auszukommen.

 

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3 Kommentare zu “Die Macht zum vierten Mal erwacht

  1. Christian Weis 30. April 2016 um 15:38 Reply

    So geballt liest sich das wirklich wie eine Fehlerorgie … und ist wohl alles richtig. Hm …
    „Fangen wir an mit dem, was mir nicht so passt.“ – und wo geht’s weiter mit dem, was gepasst hat? Immerhin ist der Film auch nach dem 4. Anschauen „immer noch gut“. 😉

    • Martin Kay 30. April 2016 um 20:29 Reply

      Die Stormtrooper-Rüstungen und das Design der TIE-Jäger passte 🙂

      • Christian Weis 30. April 2016 um 22:35

        Okay, ist ja wenigstens was. 😀

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