Sprachassistenten im Vergleich

Wer kennt sie nicht? Siri & Co.

Die wichtigsten habe ich in meinem Repertoire und wenn ich früher kaum damit gearbeitet habe, weil es schon komisch war, sich mit dem Smartphone zu unterhalten, nutze ich sie nun bei jeder Gelegenheit.

Doch wie gut sind sie wirklich, diese digitalen Assistenten?

Eines sind sie bisher alle nicht: Künstliche Intelligenz.

Und das ist nicht diskutabel, egal wie sehr die Herren Schöpfer darauf pochen.

Sind sie denn Assistenten? Jein, aber eher nein, als ja.

Was erwarte ich von einem Assistenten? Dass er mir Arbeit abnimmt, mich an Termine erinnert, Dinge für mich erledigt, mich unterstützt.

Um das zu tun, ist eine gewisse Interaktivität nötig und vor allen Dingen auch eine Initiative des Assistenten.

Stellen wir uns mal folgenden Dialog vor (und hier ist sicherlich schon der Hauch von künstlicher Intelligenz mit berücksichtigt).

6.10 Uhr – sanfte Klänge erfüllen in langsam anschwellendem Ton das Schlafzimmer.

6.20 Uhr – eine Stimme erklingt: „Guten Morgen, Martin, es ist Zeit aufzustehen. Hallo? Es wird jetzt Zeit. Bist du wach?“

Ich antworte: „Ja, ich bin wach.“

Stimme: „Du schwindelst, ich sehe, dass du noch immer im Bett liegst.“

Ich stehe auf und gehe ins Bad, die Stimme begleitet mich: „Heute ist Montag, der 14. November 2016. Es ist jetzt genau 6.25 Uhr. Die Wettervorhersage für heute sagt, es bleibt trocken bei 4 Grad. Aktuell sind es Minus 2 Grad, ich gehe davon aus, dass die Scheiben deines Wagens zugefroren sind und du kratzen musst, daher solltest du lieber eher das Haus verlassen. Ich soll dich daran erinnern, dass du heute den Briefumschlag an XY einsteckst und auf dem Weg ins Büro in einen Briefkasten wirfst. Du hast um 8:30 Uhr einen Termin mit XY und um 13:45 Uhr einen Termin mit YZ. An Aufgaben stehen für heute an: Rechnungsprüfung, Verkaufsgespräch, Projektbesprechung. Heute Abend hast du um 19:30 Uhr folgenden Kalendereintrag hinterlassen: Blumen gießen.

Möchtest du Musik hören oder die Nachrichten?“

Kann das jemand der Assistenten?

Nein. Absolut nicht. Außer den Ablauf eines Timers oder das Klingeln lassen des Weckers, gibt es so gut wie keine Initiative bei den aktuellen Assistenten. Google versucht es, indem man uns „interessante Karten“ unterjubelt, doch dazu muss man einen Blick in Google Now aufs Smartphone werfen und lesen – das ist so gut wie Zeitung lesen, keine Interaktion.

Gespräche wie damals mit ELIZA kann so gut wie gar nicht stattfinden, da die Assistenten nicht in der Lage sind, im Kontext zu antworten: Sprich, sie vergessen die vorhergehende Konversation und alles was danach folgt ist eine komplett neue Anfrage, die manchmal nur scheinbar noch im Kontext arbeitet. Der Google Assistant versucht zumindest, den vorherigen Kontext zu erfassen, was jedoch nicht immer klappt.

Über welche Frolleins sprechen wir hier überhaupt.

Wir sprechen definitiv nicht über Microsofts Cortana, die zwar in HALO eine gute Figur machte, im Real Life jedoch strunzdumm ist und generell jede Anfrage mit einer Bing-Suche verknüpft. Ihre Stimme klingt dabei noch so blechern wie das Sprechsyntheseprogramm S.A.M. aus den 80ern für den C64.

Bleiben noch die drei „Großen“ in Person von Siri, Google Assistant und Echo.

Siri ist dabei noch die einfachste Persönlichkeit, sie versucht witzig zu sein, sagt dir, was sie auf Anfrage gefunden hat, gibt dir nicht nur Auskunft über das Wetter, sondern reagiert auch auf „Ich habe Hunger“und zeigt dir den Akkustand deines Gerätes an. Aus Siri wird auch Sirius, wenn man nach der geschlechtsangleichenden digitalen Operation die männliche Stimme ausgewählt hat. Das ist aber nur für Hardcore-Fans gedacht, denn eigentlich ist Siris Stimme schon relativ in Ordnung, wenn sie hin und wieder aber auch etwas abgehakt, zögerlich und blechern klingt.

Was sie nicht weiß, hat sie nicht verstanden oder im besten Fall wirft sie eine Interaktion „Schau mal, dass hab ich im Internet dazu gefunden“ raus.

Beim Google Assistant ist man nicht so sicher, was man von ihm oder ihr halten soll.

Angefangen mit Google Now ist der Assistent mit weiblicher Stimme sehr unpersönlich und weigert sich auch, sich anders nennen zu lassen. Während Google Now aber eine reine Suchanfragenmaschine ist, die über eine rudimentäre Sprachausgabe verfügt, ist der eigentliche und neue Google Assistant kommunikativer.

Wen Techblogs behaupten, der Google Assistant wäre genauso wie Google Now, dann lügen sie oder haben keine Ahnung. Fakt.

Google Assistant ist in der Lage, sich deinen Namen zu merken und man kann ihm Kontakte zuweisen, wie beispielsweise: Meine Mutter ist, meine Tochter heißt … leider beschränkt  sich das schon darauf. Die Geschwister zuzuweisen will bisher nicht klappen, was wiederum bei Siri funktioniert.

Bei Google Assistant befinden wir uns allerdings im Zustand einer schizoiden Persönlichkeitsstörung, denn Google Assistant wirkt auf drei Medien unterschiedlich.

Wir finden den Assistenten aus Mountain View zunächst in der neuen Chat-App ALLO. Dort verbietet Google ihm oder ihr das Sprechen. Alle Antworten erfolgen rein schriftlich und tonlos (was gegenüber Google Now ein klarer Rückschritt ist).

In seiner Daseinsform auf den Google Pixel Smartphones kann der Google Assistant genau das, was Siri auch kann. Die schnippische deutsche Stimme sagt dir nicht nur wie das Wetter ist, sie erzählt dir auch einen Witz, stellt jetzt deinen Wecker oder Timer, durchsucht das Internet, liest dir Wikipedia Einträge vor und beantwortet Fragen nach dem Sinn des Lebens.

In seiner Persönlichkeit als Smart Home, das allerdings erst 2017 bei uns erscheint, kann der Google Assistant als Amazon Echo Pendant auch aktiv an deinem Leben teilnehmen, indem beispielsweise das Internet der Dinge gesteuert wird: Heizungen regulieren, das Licht einschalten und Dimmen etc.

Aber das Szenario von oben, lässt sich weder mit Siri noch mit G.A. einrichten.

Kommen wir zu der Dame aus Seattle. Echo heißt ihr Körper, der nichtansatzweisesemiintelligente Sprachanalysedienst nennt sich ALEXA und reagiert auch auf diesen Namen als Hot Word.

Alexa kann solche Dinge, wie Google Assistant oder Siri nicht wirklich. Ja, sie sagt dir, dass der Sinn des Lebens 42 ist und hat die passende Antwort auf Beam mich hoch! parat, ebenso ist sie zu scherzen aufgelegt und erzählt dir einen Witz oder macht Spaßeshalber die Aufforderung zur Selbstzerstörung mit.

Alexa bewegt sich in der Grauzone zwischen Siri und GA. Auch wenn sie im Gegensatz zu GA einen Namen hat, überzeugt sie nicht wirklich in Sachen individueller Kommunikation. Die Frage nach meinem Namen beantwortet sie damit, dass ein Amazon Konto verknüpft ist. Namen von Familienmitgliedern kann sie sich nicht merken. Ja, sie kennt Antworten auf Höflichkeitsfloskeln wie Guten Morgen und Gute Nacht, aber sie schwächelt massiv mit ihrer Wissensdatenbank.

Das was Siri und GA im Zweifelsfall nicht direkt beantworten können und als Ergebnis einer Internetsuche auswerfen, lässt Alexa links liegen. Sie sagt dir, wer Sylvester Stallone ist, ignoriert die Frage, in welchem Jahr Independence Day herauskam jedoch völlig und schweigt einfach. Oder sagt, sie hätte die Frage nicht verstanden. Oder dass es ihr Leid tut und sie dennoch deine Freundin bleiben will.

Interessanterweise beantwortet die englische Alexa-Version die Frage nach Erscheinungsjahren von Filmen wiederum. Hier kommt die Bananenreife wieder zur Geltung – Alexa entwickelt sich offensichtlich erst beim Pre-Alpha-Tester – dem zahlungswilligen Kunden. Und das, obwohl sie bereits 2 Jahre alt ist und eigentlich eine Menge Wissen gehortet haben sollte.

Warum man ihr nicht geballte Ladung Wikipedia eingepflanzt hat und sie nicht die Frage nach dem Roten Baron beantworten kann, erscheint mir unbegreiflich.

 

Fazit zu den dreien:

Netter Zeitvertreib? Ja.

Assistenten: ganz grob im Ansatz, aber nicht besser als ein Notizbuch.

Künstliche Intelligenz: Parsecs davon entfernt.

 

 

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