Rogue One – zweite Sichtung

Während die Käufer von Blu-Ray und DVD noch bis Mai warten müssen, kamen die Nutzer von Online-Filmdiensten wie Apple iTunes, Amazon Video oder Google Filme bereits gestern in den Genuss, Rogue One kaufen und sehen zu können.

Gerne wird dieses Medium als „digital“ bezeichnet, was eigentlich Quatsch ist, denn auch die Trägermedien Blu-ray und DVD sind digital und nicht analog. Daher Online-Filmdienste, auch wenn es mittlerweile die Möglichkeit gibt, Filme direkt offline zu speichern.

Hauptaugenmerk wollte ich bei der zweiten Sichtung von Rogue One auf die Fehler legen, die alle kritisieren.

Um es vorweg zu nehmen: So schlimm ist es nicht. Es gibt Dutzende von Logiklöchern in Star Wars VII – Das Erwachen der Macht, bei Rogue One sind es eher Kleinigkeiten.

Ich kann allerdings nicht die Kritiken an der Schlacht um Scarif teilen. Hier wurde bemängelt, dass sich Szenen, wenn auch aus anderer Perspektive, mehrfach wiederholen, allen voran, aus Bunkern stürmende Sturmtruppen, die immer wieder von Rebellen in Empfang und unter Beschuss genommen werden. Das habe ich nicht so wahrgenommen. Es passiert ein einziges Mal, die anderen Szenen sind in einem komplett anderen Geschehen geschnitten. Also keine sich wiederholenden Startsequenzen wie bei Kampfstern Galactica.

Kommen wir zu den Punkten, die mich stören:

  1. Warum landet Director Krennick auf dem Planeten, auf dem sich Galen Erso versteckt hält einen Kilometerweit entfernt von der Behausung und stapft dann minutenlang mit seinen Deathtroopern durch Wind und Nieselregen auf das Gebäude zu?
  2. Warum ist ein hochrangiger Director wie Krennick nur mit einem öden Shuttle unterwegs, das zwar hyperraumfähig, in dem er aber zusammengepfercht wie in einem Truppentransporter mit seinen Sturmtruppen auf einer Notbank reisen muss? Wieso bekommt der keinen Sternenzerstörer? Krennick ist ausschließlich mit dem Shuttle unterwegs, egal ob zu Erso, nach Jedha, Mustafa oder Scarif. Erscheint mir unlogisch.
  3. Nachdem Jyn und Cassian das Inspektionsteam auf Scarif ausgeschaltet haben, schlüpft Jyn in die Kleidung eines imperialen Fluglosen (die für einen Fluglotsen sehr martialisch aussieht und eher ein eine Star-Wars-Variante eines Ninjas erinnert) und Cassian in die Uniform eines imperialen Offiziers. Als die beiden die Pläne des Todessterns aus dem Datenarchiv erbeutet haben, tragen sie wieder ihrer „zivile“ Rebellenkleidung. Wann hatten sie Zeit sich umzuziehen wieso konnte gerade Cassian seine weite Kleidung unter der engen, schnittigen Uniform des Offiziers verbergen? Selbst wenn sie in einem Rucksack die Klamotten bei sich getragen hätten, ergibt ein Umziehen, in Anbetracht der Zeit, die sie dadurch verlieren, keinen Sinn.
  4. Die Schlacht um Scarif erscheint weitgehend schlüssig. Auch die Vernichtung der Sternenzerstörer lasse ich gelten. Ein Schiff wird mit einer ganzen Batterie Ionentorpedos lahmgelegt und ist damit Treibgut im Weltall. Die Hammerhead-Korvette mit ihren starken, für diesen Zweck ausgelegten Triebwerken kann im Weltraum problemlos die Masse des treibenden Sternzerstörers anschieben. Warum die Zerstörer wie im Wasser auf gleicher höhe sind, statt sich im dreidimensionalen Raum aufzuhalten, ist wieder ein typisches SF-Filmverhalten, lassen wir mal außen vor. Da im Weltraum Schwerelosigkeit herrscht, entsteht wieder die Frage, warum der getroffene Sternenzerstörer „nach unten“ also genau in die Schutzschildringstation stürzt. Ähnliches Verhalten haben wir schon in Episode VI beobachtet, als Admiral Pietts Supersternzerstörer auf den Todesstern „abstürzte“. Die Erklärung wäre hier einfach. Masse zieht Masse an. Scarif hat hier einen unermesslichen Massevorsprung zum Sternenzerstörer, der nun antriebslos ist und unweigerlich vom Planeten angezogen wird. Fraglich nur, ob das alles in Sekundenschnelle abläuft oder nicht doch Stunden oder Wochen gedauert hätte, aber egal. Was mich eher stört ist, dass wieder mal (wie in Episode VI auch) zwei Einmann-Jäger es schaffen eine der Deflektorschildkuppeln auf der Brücke eines Sternzerstörers mit einfachem Laserbeschuss in die Luft zu jagen. Die Dinger sollten doch um einiges mehr aushalten können. Da hätte ich mir eher eine Darstellung von konzentriertem Punktbeschuss durch die Großkampfschiffe oder Protonentorpedos gewünscht.
  5. Eine Funkübertragung ist ja nichts, was nur einmal da ist und dann verschwindet, wenn man es wie einen Fisch im Wasser eingefangen hat. Ehe Darth Vaders Sternenzerstörer auftaucht, gelingt mindestens drei Großkampfschiffen und einigen Jägern die Flucht in den Hyperraum. Warum aber hat nur das Flaggschiff von Admiral Raddus die Pläne des Todessterns empfangen? Jeder hätte die Daten bekommen können.
  6. Die anschließende Weitergabe der Daten erscheint zunächst unlogisch, ergibt im Kontext zu Episode IV aber wieder Sinn, dann jedoch wieder nicht. Der Reihe nach: Statt die empfangenen Baupläne direkt auf die im Hangar des Flaggschiffs wartende Tantive IV zu senden, werden sie umständlich auf ein externes Medium gespeichert und per Hand Prinzessin Leia übergeben. Schwachsinn. Jedoch sagen die Sturmtruppler in Episode IV, dass sich die Baupläne des Todessterns nicht im Bordcomputer der Korvette befinden. Damit erschient die Vorgehensweise wieder logisch, denn Leia hat den externen Speicher im Besitz. Allerdings  ergibt die folgende Handlung von Episode IV dann wieder keinen Sinn. Sowohl gegenüber Captain Antilles von der Tantive IV als auch gegenüber Leia erwähnt Darth Vader eine Funkübertragung, die die Spione der Rebellen an die Tantive IV gesendet haben und die die Pläne des Todessterns enthalten habe. Das Schiff (die Tantive IV) hätte mehrfach in Kontakt mit den Spionen der Rebellen gestanden – wo Darth Vader doch Augenzeuge der Flucht der Tantive IV in Rogue One war.

 

Das war es inhaltlich. An den F/X stören mich zwei Dinge.

  1. Bereits bei Episode IV hatte man Probleme die schwarzen Augengläser von Darth Vaders Helm für Kameralinsen zu verdunkeln. Steht man Darth Vader gegenüber kann man nicht durch sein Visier blicken, es ist pechschwarz. Schießt man aber ein Foto, auch ohne Blitz, sehen die Sehgläser wie getönte Sonnebrillengläser aus, hinter denen Man die Augen erkennen kann. Ich hab das mal bei einem Vader-Auftritt in Dortmund miterleben dürfen. Live hervorragend und enttäuscht, als ich dann die Fotos gesehen habe. Seit Episode IV muss der Schauspieler (damals David Prowse) die Augenpartien geschwärzt bekommen. Heute kann man das ganze digital nachbearbeiten – und genau das ist der Punkt: Warum hat man das nicht in Rogue One getan? Auf Scarif konnte man die rötlichen Scheiben des Visiers noch wegen der Relexionen der Lava durchgehen lassen, doch auch später vermiss man das Pechschwarz und es kommt immer wieder zu einem rötlichen, unbearbeiteten Stich.
  2. Stichwort CGI-Menschen. Viele Zuschauer bewerten den CGI-Auftritt Tarkins und Leias als hervorragend, ich muss jedoch sagen, nein, für mich war das zu künstlich. Die Augen Tarkins und Leias sind tot. Man sieht direkt, dass dort keine Menschen agieren, sondern Computeranimationen. Die Bewegungen sind steif, die Auftritte  wirken für mich verstörend unnatürlich. Ich hätte es besser gefunden, wenn die Rollen tatsächlich von den Schauspielern besetzt worden wären, die das Motion Capture Punktierkostüm tragen mussten, nämlich Guy Henry und Ingvild Deila. Das hätte auch jeder Fan denen abgekauft, waren ja ohnehin nur Kurzauftritte und keine Hauptrollen, wenn auch tragende Handlungsrollen.

 

Das war es bereits, ansonsten ist es ein wirklich geiler Film, der leider seinem Vorgänger und Nachfolger Episode IV einen Strich durch die Rechnung macht: Rogue One ist wesentlich moderner und einem titelgebenden Sternenkrieg deutlich würdiger, als der dagegen jetzt sehr lasch erscheinende Film Eine Neue Hoffnung. Die Vernichtung Alderaans wird herabgesetzt und bleibt nun völlig emotionslos, denn wir wissen nun mit welcher Aufopferung die Rebellen an die Pläne des Todessterns gelangt sind. Die geplante Vernichtung des Mondes von Yavin IV mit dem Rebellenstützpunkt erscheint nicht mehr wichtig genug. Nachdem was die Rebellen durchgemacht haben und in welcher entscheidenden, grandiosen Schlacht sie die Pläne erbeutet haben, erscheint der Schutz der „Handvoll Rebellen“ auf Yavin IV belanglos und die ehemalige Schlacht um den Todesstern wird zu einem Scharmützel, ja wenn nicht sogar Handgemenge zwischen 30 Mücken und einem Fußball degradiert.

Eigentlich müsste man Episode IV jetzt im Stil von Rogue One noch einmal rebooten!

 

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