Archiv der Kategorie: Romane

Ausprobiert: Skype for Business

Skype hat ja nun schon eine längere Geschichte, bevor es von Microsoft gekauft wurde.

Wenn man jemanden nach Skype fragt, verbindet er es in erster Linie mit dem Begriff „skypen“ und meint damit Videoanrufe.

Skype kann aber noch mehr. Man kann darüber auch nur per Audio chatten, was manchmal als Teamspeak gar nicht so verkehrt ist. Habe ich beim Coop-Spielen via Steam Games verwendet, um mich mit meinem Spielpartner verbal austzutauschen und klappt auch ganz gut.

Skype eignet sich auch zum Chatten. Hat gegenüber derzeitigen Messenger-Programmen den Vorteil, dass man ein Skype-Konto hat und dieses nicht an eine Mobilfunknummer gebunden ist.

Nutzt man mehrere Geräte oder neben dem Telefon auch noch PC und Tablet, dann reicht es, sich mit Benutzernamen einzuloggen und man startet den Chat dort, wo man aufgehört hat.

Allerdings ist der Chat in Skype alles andere als bequem. Ruft man Skype auf, dauert es eine Weile, bis die Inhalte eines Chats geladen werden, gerade Dateien wie Bilder, Audiofiles oder Videos. Offenbar wird hier nicht lokal gespeichert, sondern in der Cloud.

Das Hauptchatfenster ist auch sehr gewöhnungsbedürftig und sieht alles andere als benutzerfreundlich aus. Sicherlich, die letzten Chats werden angezeigt, darunter dann irgendwelche Altlasten mit einem Baidulink, den ich nicht zuordnen kann. Insgesamt wirkt das Fenster unaufgeräumt.

Skype ist jedoch nicht das einzige Kommunikationsprodukt aus dem Hause Microsoft. Für geschäftliche Zwecke gab es früher eine App namens Lync. Bevor wir in der Firma CISCO-WebEx eingeführt haben, sind erste Videokonferenzen, gerade in Fällen, in denen man etwas präsentieren wollte und dafür seinen Bildschirm freigegeben hat, über Lync gelaufen.

Aus Lync wurde dann Skype for Business.

In der Regel „skyped“ heute noch kaum jemand in unserem Unternehmen, allerdings wird Skype für den schnellen Chat genutzt. Seht es so, wenn man in einem Projekt unterwegs ist und sich auf seine Arbeit konzentriert, schaut man nicht jede Nase lang in seine E-Mails. Zumal diese in die Hunderte am Tag gehen.

Einfacher ist es da für eine direkte Kommunikation, mit einem Gesprächspartner, der am selben Projekt arbeitet, in Kontakt zu stehen.

In meinem Fall empfand ich dieses Vorgehen allerdings als wenig zielführend, da Skype hier total unlogisch reagiert.

Möglicherweise sind das auch irgendwelche Einstellungsthemen, die man in der Tiefe angehen muss, aber wenn sich mir sowas nicht sofort intuitiv erschließt, kippe ich die Sache rasch wieder.

Ein Chat ist ein Chat. Ein zweiter ist eben ein zweiter. Obwohl ich mit ein und derselben Person chatte, werden meine Dialoge nicht in einem einzigen Chatfenster angezeigt, sondern es werden quasi mehrere eröffnet. An dieser Stelle sei ein WTF erlaubt, denn so etwas Unordentliches habe ich noch nicht erlebt.

Aber es kommt noch besser. Nutzt man mehrere Geräte, kommen nicht alle Antworten auf allen Geräten an. Beispielsweise ist mir eine halbe Unterhaltung entgangen, die in Skype for Business startete und die ich dann im Browser fortführen wollte. Der neue Text meine Gesprächspartners war zu sehen, der gesamte Chatverlauf jedoch nicht. Schaute ich in die mobile Skype-App stand dort noch wesentlich mehr Text.

Ich bin ja immer noch auf der Suche nach einer aktiven Chat-App, die ich geräteunabhängig, wie es sich für einen Messenger gehören sollte, nutzen und zu denen ich meine Freunde rüberziehen, bzw. von der ich sie überzeugen kann. Auch wenn wir den Teufel nicht an die Wand malen wollen, irgendwann wird Werbung in What’s App erscheinen und das wird definitiv der Tag sein, an dem sich die Wege von What’s App und mir trennen.

Microsoft bietet jedoch keine dieser Alternativen, trotz des Konto-Messengers.

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Von meinem Schreibtisch: Zuflucht Galadorn Core

Noch ist es eigentlich nicht Zeit, das Science Fiction Großprojekt REQUIEM FÜR DIE ZEIT anzufassen. Ich berichtete an anderer Stelle über mein Vorhaben, eine Space Opera in sieben Bänden zu planen, von epischem Ausmaß wie weiland Kevin J. Andersons Saga der sieben Sonnen.

Derzeit arbeite ich noch an Überrannt und auch danach werde ich mich wohl zunächst Wintersturm widmen.

Da es mich allerdings in den Fingern juckte, zumindest einen Anfang zum ersten Roman der Space Opera ZUFLUCHT GALADORN CORE zu schreiben, inspirierte ich mich selbst nach wildem Herumgeknutsche mit der Muse (danke an Kai Meyer für die Musen!), als Fingerübung schon mal mit einem Prolog zu beginnen.

Ein kleines Appetithäppchen als ersten Erguss, völlig unlektoriert will ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten. Und mit Norbert Seuferts Worten im Hinterkopf, ich wäre ein Massenmörder, da ich in der Reihe DUST eine gewaltige Raumflotte in eine Sonne habe springen lassen, setze ich die Dimensionslatte etwas höher. Etwas 😉

 

Auszug aus dem Prolog ZUFLUCHT GALADORN CORE

“Brücke”, sagte Valery.

Der zweite Pilot nickte und bestätigte. Er stellte die Verbindung zum Kommandoleitstand her. Rechts über dem Instrumentenpanel erschien das dreidimensional projizierte Abbild des Kapitäns.

“Sucherin. Wir sind direkt in die Schlacht mit der Zweiten Flotte gesprungen. Sie setzen uns alles entgegen, was sie haben.”

Valery atmete tief ein. “Wie ist der Zustand der Zweiten Flotte?”

Auf den beiden anderen Projektionen innerhalb des Transplast der Kanzelscheiben sah sie selbst, wie es um die Armada stand. Tausende von Feuerbällen loderten und pulsierten im All, wie winzige Sonnen, die gerade einem göttlichen Feuerwerk entsprungen waren. Jede der sichtbaren Flammenwolken stellte eine explodierende Schiffseinheit dar. Und das waren nur die größeren Raumer. Angriffskreuzer, Zerstörer, Schlachtschiffe, Tanker. All die Myriaden funkelnden Punkte dazwischen, die wie ein romantisches Sternenfeld zwischen den Sonnen anmuteten, waren ebenso detonierende kleinere Schiffe. Kanonenboote. Landungsshuttles. Unterstützungsboote. Abfang- und Multizweckjagdmaschinen. Sie wurden aufgerieben. Der Gegner war übermächtig und nicht zu stoppen. Selbst im dritten Anlauf in den letzten dreihundert Jahren nicht.

Valery biss die Zähne zusammen. Wie konnten sie so töricht und verwegen gewesen sein, zu glauben, sie hätten nur den Hauch einer Chance gegen einen Feind, den sie in den letzten beiden Kriegen nicht hatten besiegen können? Versuch Nummer drei war bereits im Ansatz zum Scheitern verurteilt gewesen.

“Die Zweite Flotte ist verloren, Sucherin”, sagte der Kapitän, nachdem er die Auswertung der Sensoren von einem Adjutanten übermittelt bekam. “Nur noch zweihundert Großkampfschiffe leisten Widerstand. Die Hälfte davon hat nur noch wenig Energie, kaum Schilde oder ist manövrierunfähig. Fünfzehn, vielleicht zehn Sektonen, dann …”

Er sprach den Rest nicht aus. Jeder, der mithörte, konnte sich denken, dass die zweihundert Schiffe kaum lange genug überlebten, um die Flucht in den Hyperraum zu berechnen und einen sicheren Sprung riskieren konnten.

Die Zweite Flotte des Etanischen Bündnis war verloren. Ihre Speerspitze. Über fünftausend Großkampfschiffe. Mehr als eine Million Jäger und Begleitschiffe. Nahezu fünfzig Millionen Raumsoldaten, Piloten, Offiziere, technisches Personal, Ingenieure, Navigatoren, Kanoniere, Ärzte und medizinische Crewmitglieder. Die gewaltigste Kriegsflotte, die die Galaxis je gesehen hatte, dreimal größer als beim Angriff vor einhundert Jahren. Siebenmal so groß, wie beim ersten Vorstoß.

Und dennoch hatten sie versagt.

Galadorn Core

Von meinem Schreibtisch: Ensemble-Mischung

Sicherlich kann man alles von vorne bis hinten durchplanen und dann stupide nur seine Notizen in ganze Sätze ausformulieren.

Mach ich aber nicht. Kann ich nicht. Will ich auch gar nicht.

Obwohl ich gerne bei Neubeginn eines Romans drauflos schreibe, gehört eine gewisse Vorab- oder auch Zwischendruchplanung schon dazu. Ich kenne Kollegen, die sich zwei Jahre in eine Kammer zurückziehen und ihre Wände voller A3-Tapeten und Post-its mit jedem Fitzel Planungs- und Rechercheinformation zukritzeln.

Und ich kenne Kollegen, die sich offenbar gar nichts notieren müssen – was mir grundsätzlich egal sein kann, wenn man jedoch zusammen an einem Werk arbeitet, wenig hilfreich ist.

DIE BESCHÜTZER hätte zwar einen gemeinsamen Ideenpool und Brainsharing nicht mehr gerettet, aber den Widerstand meines Mitautors, seine Notizen mit mir zu teilen, habe ich bis heute interpretiert als: Er hat gar keine Notizen gehabt – bis auf das Grundexposé.

Bewundernswert. Ich brauche aber was zum Nachschlagen. Manchmal vergisst man schon, welche Ideen man noch im Kopf hatte oder gar, wie sich einer der (Neben-)protagonisten schreibt.

Und aus einer anfänglichen Vorabplanung kann schnell etwas ganz anderes werden – auch das will festgehalten und nachgelesen werden.

Zu einer Planung vor dem Schreiben gehört bei mir das Festlegen eines Grundensembles. Charaktere kommen im Laufe der Geschichte immer wieder hinzu, aber ich brauche schon ein Startteam. Einen Helden, eine Heldin, Sidekicks, Komparsen, Statisten, Gegner, was auch immer. Ein paar Namen mit Äußerlichkeiten und Charakterzügen sollten am Anfang schon stehen.

Dass sich ein bereits gesetzter Name im Laufe einer Geschichte ändert, habe ich allerdings selten. Handlung ja. Namen eher nicht.

Dennoch passiert das manchmal, so wie in dem aktuellen Manuskript, das ich gerade auf meinem Schreibtisch habe.

In ÜBERRANNT fand ich den Namen Madison Stone für eine weibliche Protagonistin ganz hübsch. Taffe Soldatin des US-Militärs, leitet eine Spezialeinheit, weiß mit den Kerlen umzugehen und überhaupt ganz schnuckelig die kleine.

Ihr Rang ist Major.

Nachdem ich ÜBERRANNT eine Zeitlang beiseite gelegt habe und zwischendurch an DUST 5 arbeitete, kam mir der Name Sherilyn Stone immer wieder unter. Und die Dame ist auch Major.

Irgendwie passte das nicht mehr, zumal ich mich auch nicht wiederholen wollte. Aus Stone wurde dann übergangsweise Stoner. Doch da nicht immer zum Vornamen gegriffen wird und im Text oft nur „Major Stoner“ steht, war die Ähnlichkeit zu Major Stone doch zu groß und fiel mir immer wieder unangenehm auf.

Gestern machte ich mich also auf den Weg zur zuständigen Behörde und beantragte für Madison Stoner eine Namensänderung … nun heißt die Gute Madison Bigelow und darf munter weiter die Kerle stramm stehen lassen und es mit unsichtbaren Aliens aufnehmen.

 

DUST 5 lieferbar

Es ist noch nicht ganz Sommer 2018 – daher gibt eine kleine, freudige Überraschung. DUST 5 mit dem Titel SCHLACHTFELD ERDE ist gut einen Monat früher lieferbar als geplant.

Ganz neuer Text, ganz neue Storyline. Was in den Vorbänden im Hintergrund als Nebenhandlung aufgebaut wurde, tritt jetzt in den Vordergrund und Simon McLaird trifft endlich auf den mysteriösen Gegner, der bisher im Verborgenen agierte.

Für das Cover zeichnet wieder Dirk Berger verantwortlich und bleibt der geschaffenen Linie der Reihe treu.

Und worum wird es gehen? Lest selbst:

Seit über einem Jahr herrscht Frieden in der Galaxis. 
Das Scardeenische Reich gehört der Vergangenheit an, sein Wissenschaftsrat wurde aufgelöst und der Großmeister ins Exil verbannt. Die Freie Republik ist der neue Staatenbund der Kolonien des alten Reiches. 
Während es Simon McLaird zur Erde zurückgezogen hat, zerstreuen sich auch die anderen alten Gefährten in alle Winde. Sean Harris verbringt seinen vermeintlichen Lebensabend mit seiner Frau Natasha auf einer unwirtlichen Wüstenwelt und Sherilyn Stone und Ken Dra ziehen sich aus der Organisation Shadow Commands zurück, um eine Familie zu gründen. 
Aber dann erhebt sich ein neuer Feind, der lange Zeit im Verborgenen agierte. Erneut werden Simon McLaird und seine Freunde zu den Waffen gerufen, als eine Flotte unbekannter Herkunft die Erde bedroht und sie in ein Schlachtfeld zu verwandeln droht …

Dust5

Von meinem Schreibtisch: One more thing for Vigilante

Momentan befindet sich DER VIGILANTE-EFFEKT in den begnadeten Händen meines Lektors André Piotrowski.

An dieser Stelle ist der Roman für mich abgeschlossen, sowohl innerlich, als auch arbeitstechnisch. Für andere Autoren mag in der Nachbearbeitung die Arbeit erst anfangen, andere finden die sogar spannender als den Roman zu schreiben.

Ich selbst mag kein endloses Herumwursteln, wenn das Wörtchen Ende unter den Text gesetzt worden ist.

Für den zweiten Vigilante mache ich aber eine Ausnahme, denn mein Bilanzbuchhalter, der auf Wunsch eine Minirolle im Werk bekommen, hat heute noch einen sagenhaften Brüller vom Stapel gelassen, den ich unbedingt in den Roman einfließen lassen muss.

Ihr dürft gespannt sein!

Von meinem Schreibtisch: Arbeiten an DER VIGILANTE-EFFEKT beendet

Es ist vollbracht. Das Wörtchen Ende ist unter das zweite Vigilante-Abenteuer gesetzt.

Damit ist zwar noch nicht alles vorbei, denn nun folgen Korrektorat und Lektorat, aber beim Wörtchen Ende ist erst einmal ein Schlussstrich gesetzt und ich kann mich dem nächsten Projekt widmen.

Worum geht es im DER VIGILANTE-EFFEKT?

Sein Name ist Mark Jedediah Vigilante. Er war Agent beim United States Secret Service, bis er nach einem Komplott gegen die amerikanische Regierung als Sündenbock auf die Straße gesetzt wurde.
Jetzt verdient er sein Geld als Troubleshooter, privater Ermittler und Schlichter. Wenn diplomatische Lösungen versagen, Krisen unausweichlich sind und militärische Konflikte die einzigen Alternativen zu sein scheinen, ruft man Vigilante.
Während eines Mailand-Trips wird die Tochter des Waffenmagnaten Lennox Buckingham entführt. Das Scorpio-Kartell setzt ihn damit unter Druck, um die Pläne einer intelligenten Waffe, die von COLT und der DARPA entwickelt wird, zu verraten.
Die zwielichtige Bordellchefin Madame Dunoire beauftragt Jed Vigilante mit der Befreiung Buckinghams Tochter Cheyenne. Als er in Mailand landet, muss er jedoch feststellen, dass Scorpio nicht der einzige Gegner ist. DARPA hat bereits ein Killerkommando beauftragt, um Cheyenne zu liquidieren und damit die Entführer des Druckmittels zu berauben.
Während ihn und seine Schutzbefohlene feindliche Agenten und Söldner unter Beschuss nehmen und quer durch Mailand jagen, bekommt Vigilante über Dunoire unerwartete Hilfe von einer Hackerin namens Sentinel.
Die wiederum scheint ihre ganz eigenen Pläne zu verfolgen.
Vigilante-2__2

Der Vigilante Effekt – Titelbild wieder ausgezeichnet umgesetzt von MARK FREIER

 

Von meinem Schreibtisch: Der Vigilante-Effekt

Ständig werde ich gefragt, wann denn das Buch raus kommt, „in dem ich mitspiele“. Ja, tatsächlich haben mich einige Leute in meinem Umfeld geärgert und sich damit eine kleine Nebenrolle im nächsten Vigilante-Roman verdient.

Ich befinde mich aktuell im letzten Drittel des Romans und habe heute einen Klappentextentwurf für den Verlag abgeliefert.

Zwischendurch bekommt ihr eine kleine, völlig unlektorierte und nicht überarbeitete Kostprobe aus dem ersten Kapitel:

 

Die Beine der Schwarzhaarigen waren atemberaubend lang und wurden durch den ultrakurzen Ledermini und die 12-Zentimeter-Absätze ihrer Stilettos optimal zur Geltung gebracht. Ein wenig anzüglicher Hüftschwung, eine bis zum Brustansatz geöffnete Bluse, ein freundliches Lächeln und der dezente Duft von Obsession konnten so manchen Mann um den Verstand bringen.

Mark Jedediah Vigilante bezeichnete sich vielleicht nicht als so mancher Mann, aber die Auswirkungen waren quasi die gleichen.

Ein Räuspern brachte ihn aus dem Reich der dunklen Fantasien in die Wirklichkeit zurück. Er riss seinen Blick gewaltsam von der davon schlendernden Hostess namens Tamara, sah verlegen in sein Whiskey-Glas und nippte an dem 16 Jahre alten Lagavulin, den er selbstverständlich pur und nicht auf Eis trank.

„Das Angebot steht noch“, sagte die Stimme, die sich zuvor geräuspert hatte.

Vigilante blickte hoch und direkt in die dunkelbraunen Augen einer attraktiven Frau, deren Alter er nur schwer einschätzen konnte. War sie Mitte vierzig? Oder zehn Jahre älter? Oder zwanzig? Ein paar Fältchen kräuselten sich um ihre Augenpartien, sogenannte Krähenfüße. Wenn sie lächelte, bildeten sich Grübchen um die Lippen. Doch das taten sie auch bei vielen Dreißigjährigen, die Vigilante kannte. Madame Dunoire, oder Madam Black, wie sie sich zuweilen auch nannte, war ihm bisher ein Rätsel geblieben. Viel wusste er nicht über sie, nur dass sie sich in hohen Regierungskreisen und der High Society in und außerhalb der Vereinigten Staaten bewegte, jede Menge nützliche Kontakte besaß und vor allen Dingen eines war: Diskret.

Das musste sie auch, denn Madame Dunoire unterhielt ein fliegendes Nobelbordell an Bord des umgerüsteten Airbus A380 an dessen Außenwänden der Name Belle Aire II prangte. Ein Mitflug und der Service der edlen Hostessen kostete den Interessierten ein kleines Vermögen von 20.000 Dollar. Die Maschine hob nur voll ausgebucht ab und im Preis mit inbegriffen war die Verschwiegenheit, dass sich keine der Gäste über den Weg liefen. Das an Bord installierte System aus Séparées, Ruhezonen und Wellnessbereich war für jeden Gast individuell angelegt und garantierte, dass der CEO einer namhaften New Yorker Bank auf keinen Fall das Gesicht eines saudi-arabischen Prinzen, eines amerikanischen Senators oder eines deutschen Kabinettsmitglieds oder das eines römischen Kardinals zu sehen bekam. Ja, auch von dem letzten Amtsträger zählte Madame Dunoire einige zu ihrem Klientel.

Vigilante blickte Tamara hinterher und schürzte die Lippen. Er war bereits einmal mit den Diensten einer von Madame Dunoires Damen belohnt worden. Unglücklicherweise stellte diese sich im Nachhinein als Spionin und Attentäterin heraus. Die Erinnerung daran war zwar noch frisch, aber Vigilante unterstellte Dunoire einfach, dass sie danach ihre Einstellungskriterien von Hostessen überdacht und verschärft hatte.

„Und?“, hakte die Bordellchefin nach, als Vigilante nicht antwortete.

Er schüttelte den Kopf. „Tammy ist nicht mein Typ. Vielleicht komm ich später auf Ihr Angebot zurück, solange Sie mir nicht wieder jemanden wie Zabette an die Seite stellen.“

Dunoire legte den Kopf schief. In ihren Augen mischte sich ein Ausdruck echten Bedauerns. „Das mit Zabette konnte niemand ahnen.“

Zabette. Die Spionin und Verräterin.

Schnee von gestern, dachte Vigilante und schluckte dabei hart. Rasch spülte er mit Lagavulin nach. „Vielleicht sollten wir jetzt zum geschäftlichen Teil kommen.“

Madame Dunoire nickte und schlug ein Bein über das andere. Dadurch rutschte ihr ohnehin knapp vor dem Knie endender Rock ein Stückweit zu hoch und gab mehr Bein Preis als es schicklich war. Vigilante ertappte sich dabei, wie er den Blickfang schamlos ausnutzte. Madame Dunoire bemerkte natürlich, welche Aufmerksamkeit sie auf sich zog und lächelte wissend, während Vigilante rot anlief.

„Tut mir Leid.“

„Keine Ursache, Jed. Ist nur menschlich.“

Männlich hatte sie sicherlich sagen wollen und Vigilante kam sich in diesem Moment ziemlich dämlich vor.

Dunoire öffnete einen weißen Umschlag im Letter-Format und zog einige Fotos von Briefpapiergröße hervor. Das erste legte sie mit der Bildseite nach oben auf den Tisch. Es zeigte eine junge Frau mit langem, kastanienfarbenem Haar, rehbraunen Augen und einer spitzen Nase.

„Das ist Cheyenne Annabelle Buckingham“, sagte Madame Dunoire. „Tochter von Lennox Evan und Patricia Buckingham.“

Der Name sagte Vigilante etwas. Zumindest hatte er ihn irgendwo einmal gehört und brachte ihn nicht unbedingt mit einem britischen Herzog oder dem Regierungssitz in Verbindung.

„Helfen Sie mir auf die Sprünge, Ma’am.“

Dunoire drehte ein zweites Foto um. Ein Mann. Vielleicht Mitte fünfzig. Grauer Fünftagebart. Lockiger, wirrer Haarschnitt, wässrige blaue Augen, die von Alkohol aufgedunsen wirkten.

„Lennox Buckingham.“ Dunoire schnalzte mit der Zunge. „Ein Kunde von mir. Vorstandsvorsitzender und Eigner von Buckingham & Lloyd Enterprises, einer Investmentfirma, die unter anderem Colt unterstützt.“

Den Colt?“, hakte Vigilante nach und wusste sofort, dass der amerikanische Waffenhersteller gemeint war.

Dunoire nickte und drehte ein weiteres Foto um. Es zeigte eine äußerst attraktive Mittvierzigerin mit langgelocktem, schwarzem Haar, hohen Wangen und vollen Lippen. Ihr klarer Blick hatte etwas Elektrisierendes. Vigilante ging davon aus, dass es sich bei der Frau um Patricia Buckingham handelte. Interessanterweise waren auch ihre Augen blau, wie die ihres Mannes. Ungewöhnlich, dass die der Tochter einen Braunton aufwiesen. Entweder eine genetische Spielerei oder jemand trug farbige Kontaktlinsen.

„Patricia Buckingham“, bestätigte Dunoire Vigilantes Vermutung. „Persönliche Assistentin von Senator Bridges im Verteidigungsausschuss.“

Vigilante hob eine Braue. „Jetzt wird es interessant.“

„Noch nicht.“ Dunoire drehte noch ein Foto um. Eine weitere Frau, in etwa in Cheyennes Alter. Blond. Stubsnase. Ein Muttermal auf der linken Wange.

„Ah, Barbie spielt auch mit“, sagte Vigilante, murmelte jedoch sofort ein „Entschuldigung“ als er Dunoires strafenden Blick einfing.

„Das ist Lindsey Adams.“ Die Bordellchefin schob das Foto über den Tisch in Vigilantes Richtung. „Den Eltern zufolge Cheyennes beste Freundin.“

Der Ex-Secret-Service-Agent nickte und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. „An welcher Stelle komme ich ins Spiel?“

„Cheyenne und Lindsey sind in Mailand entführt worden. Sie erpressen die Buckinghams um 100 Millionen Dollar, andernfalls töten sie die Mädchen.“

Vigilante pfiff durch die Zähne. „100 Millionen? Das ist eine stolze Summe. Buckingham wird so viel sicher nicht in der Portokasse haben, oder?“

„Doch, hat er. Und er ist bereit zu bezahlen.“

„Was?“

Dunoire nickte. „Er hat die italienischen Behörden nicht informiert. Ebenso wenig das FBI oder Interpol. Er will zahlen.“

„Und warum hat er sich an Sie gewandt?“ Vigilante beugte sich über die Fotos und sortierte sie in der Reihenfolge Lennox, Patricia, Cheyenne. Dann schob er Lindseys Konterfei zur Seite. Sie gehörte nicht zur Familie und war im schlimmsten Fall Kollateralschaden. Vigilante sah hoch und blickte Madame Dunoire an. „Oder hat er das gar nicht? Sondern seine Frau?“

Die Dunkelhaarige schüttelte den Kopf. „Nein, es war schon Lennox, der sich an mich gewandt hat, um die Sache schnell, diskret und sicher zu erledigen.“

Vigilante lehnte sich in dem Sessel zurück und breitete die Arme aus. „Okay. Warum sitze ich dann in diesem Flugzeug mit all den Reichen, die sich gerade in den Séparées mit Ihren Mädchen vergnügen? Sie wollen mich doch engagieren, um die Buckinghams Tochter und ihre Freundin dort rauszuholen.“

„Nein, Jed. Ich will die Sache schnell … diskret … und vor allen Dingen sicher für Lennox Buckingham erledigen. Und da kommen Sie ins Spiel, mein Lieber. Sie sollen den Geldkurier spielen.“

Vigilante verschluckte sich an dem Whiskey, stellte mit Mühe das Glas auf dem Tisch ab, ehe er den Rest des Inhalts verschlucken konnte und hustete.

„Ich soll einen Botenjob übernehmen? Bei allem Respekt, aber dafür brauchen Sie mich doch nicht, Ma’am.“

Dunoires Lächeln wirkte einschmeichelnd und tadelnd zugleich. „Glauben Sie wirklich, Jed, ich würde Sie wegen eines gewöhnlichen Jobs anheuern lassen? Lennox Buckingham ist bereit zu bezahlen und hat mich gebeten, die Übergabe zu arrangieren. Gleichzeitig habe ich einen Auftrag von seiner Frau erhalten. Sie konnte wohl gegenüber Senator Bridges nicht ihre Klappe halten und hat von der Entführung erzählt. Ein Senator im Verteidigungsausschuss und die Politik des Landes, weder mit Terroristen noch mit Geiselnehmern zu verhandeln vertragen sich sehr gut miteinander. Bridges hat Patricia Buckingham unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass kein Geld an die Entführer fließen darf und drängt sie auf Einbeziehung des FBI.“

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